Meditation

meditationMeditation – Das Tor zur Heilung

„Ich kann sie beruhigen“, sagte der Arzt. „Es ist nichts Organisches. Eigentlich sind sie vollkommen gesund.“ Der Patient war erleichtert. Allerdings blieb die Frage offen, woher die Schmerzen kamen, die ihn seit längerem plagten.

Der Arzt zuckte die Achseln. „Haben sie vielleicht zuviel Streß? Machen sie sich über irgend etwas Sorgen?“ Nun zuckte der Patient die Achseln. „Nicht mehr als sonst auch“. „Wahrscheinlich etwas Psychosomatisches“, fügte der Mediziner abschließend hinzu.
„Versuchen sie es doch mal bei einem Psychologen“. Damit schloss sich die Tür des Behandlungszimmers. Mit leichtem Unbehagen trat der Patient Hubert K. auf die Straße. Was tun?
Zu einem Psychologen, oder gar Psychiater wollte er nicht gehen. Er war ja nicht verrückt.

Viele Menschen klagen über Beschwerden ohne einen medizinischen Befund. Eine Möglichkeit auf Spurensuche nach einem größeren Wohlbefinden zu gehen ist Meditation. Diese fernöstliche Form der Innenschau hilft zu mehr Klarheit, Kraft und Gelassenheit, und hat längst Einzug in Chefetagen und Kaffeezirkel gehalten.

Was geschieht in Meditation und wie funktioniert sie? Hubert K. besuchte auf Anraten seiner Frau einen einwöchigen Meditationskurs. Unter Anleitung eines Zenmeisters übte sich Hubert K. vor allem im Sitzen, Gehen und – Nichtstun. Nach einer halben Stunde schmerzten Hubert K. die Beine. Die 20 Minuten Gehen begrüßte er als willkommene Abwechslung.

Gedanken jagten in endlosen Ketten durch seinen Kopf. Ihm fiel ein, dass der TÜV von seinem Wagen bald fällig war und er sich drum kümmern müßte. Sein Kollege spukte ebenfalls durch seine Gehirnwindungen. „Ich brauche die Kostenaufstellung bis morgen“, dröhnte es in immer wiederkehrenden Wiederholungen. Hubert K. fühlte einen leichten Hass auf seinen Kollegen, der auch im anschließenden Gehen nicht verflog. Von Gelassenheit keine Spur. Hubert K. fühlte sich wie in einem Bienenschwarm.

War Meditation nur für Japaner und Chinesen geeignet? Im Gespräch mit dem Zenmeister lächelte dieser. „Gut“, sagte dieser. „Sie machen Fortschritte. Diese Gedanken waren schon immer da.“ Hubert K. stutzte. „Am Anfang ist das Wasser trüb. Es Braucht eine Weile, bis sich die Schwebstoffe absetzten. Gedanken, Gefühle sind wie Schwebteile. Wenn man dagegen ankämpft wird das Wasser nur noch undurchsichtiger. Warten, beobachten ist der Schlüssel. Dann beruhigt sich der Geist von selbst.“

Hubert K. kehrte zu seinem Meditationskissen zurück. Der Schmerz in den Gliedern und seine Wut auf den Kollegen wurden noch stärker. Hubert K. beobachtete und atmete. In Gedanken starb sein Kollege gerade einen schmerzhaften Foltertod. Hubert K. schwitzte und erschrak vor sich selbst. Jetzt hasste er sich selbst. Er hatte seinen Kollegen ermordet. Gefühle von Hass und Schuld wuchsen zu einem Berg. Am liebsten wäre er schreiend aufgesprungen. Aber er beobachtete und atmete weiter. Ein und Aus. Ein und Aus. Selbst als das Gefühl zu platzen übermächtig wurde. Hatte er nicht schon ganz andere Dinge durchgestanden? Schließlich lebte sein Kollege noch. Und er saß hier. Ein kühler Lufthauch zo durch das offene Fenster und umwehte ihn. Es wurde stiller in ihm. Für einen Augenblick war der Berg aus Wut verschwunden. Um gleich darauf wieder zu erscheinen. Jetzt aber durchsichtiger. Leichter. Wie eine Fata Morgana in der Wüste.

Als sich Hubert K. nach einer Woche verabschiedete, nickte der Zenmeister aufmunternd. „Sei in der Welt, aber verfalle ihr nicht“, sagte er in seinem Schlusswort an Hubert K. gewandt. Als er zu Hause ankam, fragte seine Frau als erstes: „Und, was machen deine Schmerzen?“. Hubert K. hielt einen Moment inne. Suchte und forschte, konnte aber keine Schmerzen finden. „Weg“, sagte er. „Verschwunden – im Nichts“.

Seit sich die Beatles Ende der 60er-Jahre nach Indien aufmachten, wird Meditation auch bei uns immer populärer. Viele Missverständnisse kursieren um diesen Weg nach „Innen zu schauen“. Menschen, die meditieren werden von vielen Zeitgenossen als „Nabelbeschauer“ oder als Langweiler verspottet. Doch im vermeintlichen Nichtstun geschieht eine Heilung des Geistes. Meditation ist Medizin von Innen. Wie das?

Es geschieht eine Entspannung im Augenblick des Jetzt. Allein dies ist schon eine ganze Menge, denn wer den Augenblick bewusst wahrnehmen kann, gwinnt Klarheit und eigene Präsenz. Meditation ist, durch Atmen und Beobachten, eine beständige Erinnerung an dieses Jetzt. Und nur wer im Jetzt ist, gewinnt Gestaltungsmöglichkeiten über seine eigene Zukunft.

Im beschriebenen Fall des Hubert K. muss Meditation nicht zwangsläufig nur „schön“ sein. Meditation erfordert Mut sich selbst zu begegnen. Meditation führt zur Erkenntnis, wie die Dinge wirklich sind. Es reinigt den Geist. Dann wird Meditation zur Kunst des Lebens.

Matthias Grünewald
Reikimeister und Heilpraktiker